Führung 4.0: Bye, bye, autoritärer Führungsstil

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In der aktuellen Blogparade „#Zukunftsblick: Die Welt von morgen“ ruft die Otto Group dazu auf, etwas in die Zukunft zu blicken und aufzuschreiben, wie verschiedene Bereiche in einigen Jahren aussehen könnten. Da ich seit Januar 2017 am Kulturwandel 4.0 der Otto Group mitarbeite, habe ich mir über Unternehmenskultur beziehungsweise Führungskultur Gedanken gemacht…

Mein Job ist unglaublich spannend und intensiv. Ich habe viele Freiheiten und kann mich mit verschiedenen Themen beschäftigen: Unternehmenskultur, Veränderungs- und Transformationsprozesse, neue Arbeitsweisen und –methoden sowie Organisationsentwicklung. Mir wurde von Anfang sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Frei nach dem Motto „Du wirst das schon richtig machen“ erlebe ich hier eine für mich völlig neue Arbeits- und Führungsweise, die sich positiv auf mich als Mensch auswirkt. Selbstständigkeit und Kreativität werden gefördert. Läuft doch mal etwas schief, wird nicht mit dem Finger gezeigt, sondern gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Die Führungskraft stärkt einem den Rücken.

Eine neue Idee der Führung

Über Podcasts und Newsletter informiere ich mich regelmäßig über meine Themen. Einer der Newsletter, den ich regelmäßig lese, ist der von intrinsify.me. Ende Oktober 2017 wurde das Thesenpapier „31 Thesen für die #NeueWirtschaft – Wie sich unsere Wirtschaft reformiert“ veröffentlicht. Über die Thesen ließe sich sicherlich mehrere Stunden diskutieren, doch eine ist mir besonders im Kopf hängen geblieben:

„Personengebundene Führung kann durch Klarheit und Orientierung ersetzt werden. An die Stelle enger Führung durch Vorgesetzte können Handlungsprinzipien, ethische Grundsätze, Transparenz, Entscheidungsprinzipien und Kennzahlen treten.“

Mein erster Gedanke war: Ja, stimmt! Ich habe in den verschiedensten Branchen gearbeitet und bereits alle Führungsstile nach Kurt Lewin erlebt; die autoritäre, die demokratische und die Laissez-faire Führung. Hier bei der Otto Group erlebe ich gerade, wie sich unter anderem die Führungskultur im Sinne der oben genannten These verändert und welche Auswirkungen das auf die gesamte Unternehmenskultur hat. Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen verschiedener Hierarchiestufen und mit unterschiedlichen Aufgaben zeigen stets ein ähnliches Bild: Man geht entspannter miteinander um. Kommt der Chef oder ruft der Chef, zuckt man nicht mehr zusammen, das Wir-Gefühl ist verstärkt und es gibt einen offeneren Austausch miteinander.

Warum wir eine neue Art der Führung brauchen

 „Face it: there is no normal anymore!“ (Ray Davis)

Und ich finde, dass sich die Unternehmens- und Führungskultur generell dringend anpassen und erneuern muss. Digitalisierung, Technologisierung und Generationenwechsel verändern insbesondere auch unser Arbeitsleben. Die Geschwindigkeit und Herausforderungen des Wandels sind schon heute riesig und nehmen weiter zu. Um dem gerecht zu werden, reicht es nicht, einfach die nötige Technologie aufzubauen: auch die Unternehmenskultur, die Verhaltensweisen, Überzeugungen und Werte müssen neu ausgerichtet werden. Ich habe das Glück, genau an dieser Neuausrichtung live und vor Ort in der Otto Group mitwirken zu können und kann mir nichts Spannenderes vorstellen. Das traditionsreiche Hamburger Familienunternehmen entwickelt sich gerade vom vermeintlichen Dino zu einem modernen, vielseitigen und agilen Unternehmen, bei dem Arbeiten wirklich Spaß macht.

Führungskräfte müssen vorangehen

Eine Herausforderung ist auch hier der Talent- und Ressourcenmangel, zum Beispiel in der IT und bei Entwicklern. Daher scheint es wichtiger denn je, den Fokus auf die (auch zukünftigen) Mitarbeiter auszurichten, sie mit einzubinden und ihnen nötige Freiräume zu schaffen. Und hier ist insbesondere die Führungskraft gefragt.

Bei der Neuausrichtung der Unternehmenskultur sind die Führungskräfte die wichtigsten Wegweiser, prägen sie diese Kultur schließlich entscheidend. Sie leben Dinge vor und müssen mitunter die größte Verhaltensänderung leisten: Verantwortung abgeben, Mentor sein, Fairness und Vertrauen zeigen, zuverlässig sein, Motivieren und das fachliche Empowerment der Mitarbeiter sind nur einige Eigenschaften und Aufgaben, die die jüngere Generation von ihrer Führungskraft erwarten. Mitbestimmung, Einbindung, Partizipation und eine strikte Trennung von Arbeits- und Privatleben sind ebenfalls Anforderungen, denen sich die Unternehmen und Führungskräfte stellen müssen.

„Management ist die kreativste aller Künste. Es ist die Kunst, Talente richtig einzusetzen.“ (Robert S. McNamara)

Die Erwartungen an die Führungskräfte sind also hoch. Dabei darf man nicht vergessen, dass auch die Führungskräfte auf die Neuausrichtung vorbereitet und gefördert werden müssen. Die Unternehmen und Chefs der Führungskräfte müssen daher ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem sich Führungskräfte selbst weiter entwickeln können, motiviert sind und ihre Rolle eigenverantwortlich gestalten können. Die herkömmlichen Ausbildungen zur Führungskraft innerhalb der Unternehmen müssen auf den Prüfstand gestellt und der neuen Arbeitswelt angepasst werden.

Überleben nur mit neuem Führungsstil

Digitalisierung, ständiger Wandel, Arbeit 4.0 und die Erwartungen der jüngeren Generationen an ihre Arbeitgeber: Der Berg an Herausforderungen scheint zunächst unüberwindbar. Doch mit den richtigen Werkzeugen und Veränderungen können Unternehmen es schaffen.

Mit einem autoritären Führungsstil jedoch werden Unternehmen zukünftig nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Der Führungsstil der Zukunft muss flexibel sein, dabei klar, offen und transparent. Wenn Mitarbeitern vertraut wird und diese die Freiheit haben, eigene Entscheidungen zu treffen, so glaube ich, dass Unternehmen ihre Führungskultur gut auf die kommenden Herausforderungen und Generationen ausrichten. Aber auch nur dann.

3 Kommentare zu „Führung 4.0: Bye, bye, autoritärer Führungsstil“

  1. Hallo Francis,
    ich habe deinen Beitrag sehr aufmerksam gelesen und muss sagen: Ich finde ihn in so vielen Punkten zutreffend. Vor allem hinsichtlich des Aspekts, dass Führungskräfte den Wandel vorleben müssen. Gerade dies fällt fielen aber unglaublich schwer.
    Man initiiert dann „Transformationsprozesse“ oder „Digitalisierungsmaßnahmen“, ohne aber wirklich den „inneren Wandel“ zu vollziehen. Oder die dafür notwendigen Ressourcen bereitzustellen. Die Überraschung (bzw. Verwunderung), wenn diese Prozesse und Maßnahmen dann schief gehen, ist meist groß. Von daher wünsche ich dir viel Kraft, Erfolg und Unterstützung für deine Bemühungen.
    Ich habe deinen Beitrag im Rahmen der Blogparade ebenfalls unter meinem Beitrag verlinkt:
    https://www.marketing-engineer.de/blog/digitale-veraenderung-die-app-und-ihre-renaissance

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  2. Liebe Francis,

    Ihren Artikel habe ich gerne gelesen. Wir brauchen diese ‚lauten‘ Beispiele einer gelingenden Veränderung. Zu viele halten noch am Alten fest. Und ich glaube, dass das häufig gar nicht mehr so viel mit Überzeugung zu tun hat. Schließlich sitzen auf den Entscheiderstühlen gut ausgebildete, weitsichtige, berufs- und lebenserfahrene Menschen. Viel mehr ist es wohl oft die Frage des ‚Wie‘ und von Ressourcen.

    Da kommen wir zur Crux des Ganzen: Werkzeuge und Methoden können helfen und begrenzen. Entscheidend sind innere Haltung und Selbstwirksamkeit. Insbesondere die innere Haltung setzt Bewusstheit jedes Einzelnen voraus.

    Dieses ‚Neue‘ in der Arbeitswelt liegt für Viele noch im Nirvana. Und ist dadurch fast mit Angst besetzt. Nun ist Angst selten ein offenes Geheimnis in Kontexten, wo Leistung eine entscheidende Rolle spielt. Kommen Mut, Lernwilligkeit und Gemeinschaftssinn hinzu, gewinnt die Bereitschaft, die ersten Schritte im Transformationsprozess zu gehen und ihn auch als solches zu betrachten. Der ist nämlich nie wirklich zu Ende aus heutiger Sicht.

    Ich freue mich mit Ihnen, dass Sie so spannende Aufgaben bei Otto haben! Bitte erzählen Sie weiter – insbesondere auch vom ‚Wie‘, das sind die Mutmacher. Denn wie heißt es doch: Selten haben wir ein Erkenntnisproblem, viel öfter ein Umsetzungsproblem.

    Herzlich grüßt Sie
    Cornelia Katinka Lütge

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    1. Liebe Cornelia,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Ich stimme Ihnen in allen Aspekten zu. Noch ist das Blogschreiben für mich recht neu, aber ich schreibe gerne weiterhin über diese Themen und meine Meinung.

      Über den weiteren Austausch freue ich mich schon jetzt.

      Viele Grüße
      Francis

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